Das Leben von Erich Stekovics

Kindheitserinnerungen

Ich bin am 7. Mai geboren, unmittelbar bevor die jungen Paradeiserpflanzen hinaus gesetzt werden. Groß geworden bin ich mit dem Geschmack und dem Geruch von Feldparadeisern. Mein Vater, der Nebenerwerbslandwirt war, hat mich immer zum Anbau mitgenommen. Die Verwandlung von Samen zu Früchten hat mich bereits damals fasziniert. Schon im Kindergarten haben meine Freunde und ich Gärtner gespielt. Dabei sind uns nicht selten die Tränen gekommen, weil wir uns mit unseren Fingern, mit denen wir vorher Chilisamen ausgelöst hatten, die Augen gerieben haben. Ich erinnere mich an lange Nachmittage auf dem Dachboden meines Elternhauses, wo wir Samen aussortiert und in Damenstrümpfe, die meine Mutter ausgemustert hatte, abgefüllt haben.

Trotzdem stand es aber durchaus nicht von Anfang an fest, dass ich selbst auch Landwirt oder Gärtner werden würde. Meine Mutter, die besonders gut gekocht hat, ist dafür verantwortlich, dass ich ursprünglich Koch werden wollte. Mein Talent für Süß-Saures habe ich schon früh unter Beweis gestellt. Bei uns zuhause war ich schon als ganz kleiner Bub fürs Anrühren der Salatmarinaden zuständig.

Es kam dann doch anders

Ich habe Theologie studiert und jahrelang in der Diözese als Religionslehrer und Referent für Laientheologen und -theologinnen gearbeitet.

Erst mit 35 habe ich meinen Betrieb gegründet und mir meinen Kindheitstraum vom Gärtnern erfüllt. So wie andere Briefmarken sammeln, habe ich mein ganzes Leben lang Samen gesammelt. Für einen Theologen scheint es nur folgerichtig, dass er sich wie Noah mit seiner Arche um eine möglichst vollständige Sammlung bemüht – in meinem Fall sind es Obst- und Gemüsepflanzen. 

Aber darüber hinaus gilt auch für mich wie für alle Menschen: Wenn eine ganz neue Herausforderung des Weges kommen sollte, werde ich sie freudig annehmen.